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Datum Titel der Veranstaltung
20.05.
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Sonntag, 20.05.:
09:30
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Verlässliche Worte

Wahrheit, Halbwahrheit, Lüge... dieses Thema beschäftigt mich in diesen Tagen besonders. Nicht nur weil fast jeden Tag neu gefragt wird: Hat der Bundespräsident nun die Wahrheit gesagt oder nicht und was hat er verschwiegen? Noch mehr bewegt mich diese Frage, seitdem sich in eine Bekannte sich unheimlich darüber aufgeregt hat, wie skrupellos ihr Neffe mit seinen Freundinnen umgeht. Als der der junge Mann keine Lust hatte, sich am Wochenende mit einer Bekannten zu treffen, schrieb er ihr einfach eine SMS: „Kann leider nicht. Muss zu meiner kranken Mutter nach Köln.“ Eine dreiste Lüge. Die Mutter war nicht krank und lebt auch nicht in Köln. Offensichtlich hatte der junge Mann einfach nicht den Mut, seiner Bekannten offen und ehrlich zu sagen: „Ich will nichts von dir!“
Wir alle leben davon, persönlich wie auch im öffentlichen Leben, dass man sich auf das Wort des anderen verlassen kann. Es macht unser Leben mühsam und freudlos, wenn man alles erst überprüfen muss, ob der andere einen anlügt oder nur die halbe Wahrheit sagt. Wo Lüge und Misstrauen herrschen, machen zwar Detektive und Juristen gute Geschäfte, aber es entsteht keine Nähe und Freundschaft.
Alle großen Weisheitslehrer der Welt machen darauf aufmerksam: Worte sind nicht nur Schall und Rauch. Auf Worte muss man sich verlassen können. Jesus hat in der Bergpredigt seinen Jüngern eingeschärft: „Euer Ja sei ein Ja und ein Nein sei ein Nein. Alles andere stammt vom Bösen.“
Vom griechischen Philosophen Sokrates, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte, wird berichtet, wie eines Tages ein Bekannter zu ihm kam: „Höre, Sokrates, ich muss dir berichten, wie dein Freund….” „Halt ein” unterbrach ihn der Philosoph, „hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?” “Drei Siebe? Welche?” fragte der andere verwundert. “Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst, geprüft ob es auch wahr ist?” “Nein, ich hörte es erzählen, und…” “Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?” Der andere zögerte. “Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil…..” “Nun”, unterbrach ihn Sokrates. “so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.”“Notwendig gerade nicht….”“Also”, lächelte der Weise, “wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit."

Pfarrer Christoph Rau

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